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Yoga und Resilienz von Susanne Müller

Portraitbild susanne Müller

Hallo Ihr Lieben, unsere Yogalehrerin Susanne Müller beschäftigt sich gerade sehr mit dem Thema: Yoga und Resilienz. Sie hat dazu ja schon einige Workshops gemacht. Am 17. August 2021 bietet sie in der Yogaschule in Blieskastel einen weiteren Workshop dazu an. Auch ihre Yogakurse die am Dienstag, den 24. August beginnen, sind diesem Thema gewidmet. Sie hat einen sehr schönen Text über "Yoga und Resilienz" geschrieben, der mich berührt hat und den ich gerne mit Euch teile.

Passt auf Euch auf.

Michael

Yoga und Resilienz

von Susanne Müller

Mitten im Winter habe ich erfahren,

dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.

(Albert Camus)

Einführung:

Seit wir uns mit dem Thema Corona beschäftigen, liest man vermehrt auch etwas zu dem Thema Resilienz. Aus meiner Sicht ist es gut und hilfreich sich damit zu beschäftigen, denn wie Yoga, kann man Resilienz als Hilfe zur Selbsthilfe anwenden. Die Frage ist nur, kann man Yoga und Resilienz überhaupt zusammenbringen und wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen beiden? Kann das eine das andere positiv beeinflussen? Fragen, die neugierig machen.

So erging es mir, als ich Anfang 2020, kurz vor der „Coronazeit“, den Artikel im Yogaforum 2/2020 zum Thema Yoga und Resilienz las. In dieser sensiblen und anderen Zeit bekamen diese Begrifflichkeiten auf einmal eine ganz andere Qualität und Würde für mich.

Ich möchte sie heute dazu einladen, sich von den folgenden Ausführungen berühren und ansprechen zu lassen.

Was ist Resilienz?

Der Begriff „Resilienz“ ist in der Literatur unterschiedlich definiert. Hierzu beispielhaft eine Definition von Rosmarie Welter-Enderlin:

„Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen und zwar unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen. Als Metapher hierfür kennt Ihr vielleicht das Stehaufmännchen.“

Eine andere Definition aus Wkipedia:

Resilienz ist der Prozess, in dem Personen auf Herausforderungen und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren.“ Dies gilt es in den Kontext zu stellen mit Gesundheit, Widerstandsfähigkeit, Bewältigungsstrategie und Selbsterhalt.

Das Gegenteil von Resilienz ist die Verwundbarkeit.

Im Wesentlichen geht es darum, welche Sicht wir auf Krisen, belastende Situationen oder Ereignisse haben. Es ist dabei immer wichtig, welche Sicht wir auf unser Leben haben.

Nehmen wir unser Leben an wie einen Fluss mit allen Strömungen und Bewegungen? Erkennen wir die unaufhörliche Bewegung und Veränderung? Nehmen wir sie an und fließen wir vertrauensvoll mit ihr. Helga Simon-Wagenbach, Vollende was Du bist

Sind wir den Veränderungen des Lebens hilflos ausgesetzt oder können wir eine realistische Sichtweise entwickeln und ein gutes, mit Leichtigkeit empfundenes Leben führen? Ist es möglich, dass sich unser Leben auch mit Covid 19 gut und leicht anfühlt ?

Resilienz und Yoga:

Yoga wirkt mit jeder Übung auf unseren Körper und auf unsere Psyche. Jede noch so kleine Bewegung und jeder Atemzug verändert Deinen Körper. Es gibt Yogaübungen, die eher anregend wirken und es gibt Übungen, die zu einer tiefen Ruhe führen können. Wenn wir diese Erfahrung einmal gemacht haben, wird klar, dass die Resilienzfaktoren durch und mit Yoga positiv beeinflusst werden können.

Yoga kann nicht nur die allgemeine Lebensqualität erhöhen, sondern entscheidend dazu beitragen, körperliche und psychische Leiden zu lindern und unsere Gehirnstrukturen nachhaltig zu verändern. Yoga kann sich stressreduzierend auswirken und das psychische Wohlbefinden steigern. Man kann lernen zu akzeptieren was ist und neue Lösungsstrategien zu entwickeln.

Wenn wir uns dem Thema Resilienz nähern und es handhabbar machen wollen, ist es hilfreich sich an folgenden Resilienzfaktoren zu orientieren:

Im Einzelnen sind dies: 1. Achtsamkeit
2. Akzeptanz
3. Optimismus
4.Zukunftsorientierung
5.Selbstregulation
6.Soziale Kontakte
7.Grundvertrauen in sich selbst

Beleuchtung der 7 Resilienzfaktoren:

1. Achtsamkeit:

Hierzu ein sehr schöner Text von Jon Kabat-Zinn:

Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Diese Art der Aufmerksamkeit steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit, sowie die Fähigkeit, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. Sie macht uns die Tatsache bewusst, dass unser Leben aus einer Folge von Augenblicken besteht. Wenn wir in vielen dieser Augenblicke nicht völlig gegenwärtig sind, so übersehen wir nicht nur das, was in unserem Leben am wertvollsten ist, sondern wir erkennen auch nicht den Reichtum und die Tiefe unserer Möglichkeiten zu wachsen und uns zu verändern. Achtsamkeit ist eine einfache und zugleich hoch wirksame Methode, uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren, uns wieder mit unserer Weisheit und Vitalität in Berührung zu bringen. Achtsamkeit ist die Haltung, die es uns ermöglicht, dem Leben mit Offenheit zu begegnen und uns dessen was in uns und um uns herum passiert, bewusst zu sein.

Im Yoga wollen wir vom Denken ins Spüren kommen und dazu reicht es schon aus, den Atem achtsam fließen zu lassen. Man kann seinem Körper durch die Yoga-Asanas auf eine besondere Art und Weise spüren und sich mit liebevoller Achtsamkeit seiner Gefühle gewahr werden.

2. Akzeptanz:

Wenn wir mit Achtsamkeit Yoga üben, können wir beobachten, was jetzt gerade ist. Und das was ist möchte akzeptiert sein. In der Yogatradition „Vinyasa krama“ nach Desikachar/Sriram lernt man ein schrittweises Vorgehen und Üben. Die Übung passt sich an den Menschen an und nicht der Mensch an die Übung. In Bezug zur Resilienz ist das von großer Bedeutung. Wir nehmen unsere Körperlichkeit als etwas Gutes an, so wie sie jetzt ist. Wenn man z.B. Rückenschmerzen hat, passt man eine Vorbeuge an und geht nicht mit den Händen bis zum Boden, sondern nur in eine „halbe Vorbeuge“, indem man die Hände beim Vorbeugen auf die Knie legt oder auf einen Hocker, den man vor sich gestellt hat.

Auch in unserem Alltagsleben ist Akzeptanz der Umstände ein bedeutsames Thema, gerade in dieser Zeit.

3. Optimismus:

Es geht um eine bejahende und positive Grundeinstellung zum Leben. Das kann in Krisen helfen. Dabei geht es nicht darum, alles durch die rosarote Brille zu sehen. Es geht um einen realistischen Optimismus.

Realistischer Optimismus ist die Überzeugung, dass Krisen zeitlich begrenzt sind und überwunden werden können. Trotz aller Herausforderungen bleibt der Blick auf das Positive erhalten. Wenn wir optimistisch sind können wir auch Fehlschläge zu dem Lebensbereich sehen, zu dem sie gehören und wir weiten sie nicht auf andere Lebensbereiche aus.

Aufbauend auf unsere Akzeptanz wenden wir unseren Blick der optimistischen Seite unseres Lebens zu.

Mit Optimismus verbinden wir Leichtigkeit. Bestimmt kennen Sie das Gefühl der Leichtigkeit nach einer Yogastunde. Für mein Empfinden könnte man auch den Begriff Weite damit verbinden.

4. Zukunftsorientierung:

Wie sehen wir Probleme in unserem Leben, als absolute Katastrophe oder als Normalfall des Lebens? Das eine lässt uns auf der Stelle treten, mit dem anderen lenken wir unseren Fokus auf die Zukunft.

5. Selbstregulation:

Wie nehme ich mich selbst wahr?

Reagiere ich sofort oder kann ich auch einmal einen Atemzug warten?

Wir haben immer die Wahl und das bedeutet Freiheit.

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Nur dort kann Begegnung stattfinden. Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum: Nur dort findet Heilung und Entwicklung statt. Zwischen Richtig und Falsch gibt es einen Ort. Dort werden wir uns begegnen. Rumi

Wenn wir diesen Raum erspüren, haben wir die wunderbare Möglichkeit und Freiheit uns selbst zu regulieren. Wir sind nicht hin und hergeworfen zwischen Reiz und Reaktion, sind nicht hin und hergeworfen in der Welt. Es gelingt uns, andere Sichtweisen einzunehmen und gewohnte Gedankenmuster zu verlassen.

6. Soziale Kontakte:

Soziale Kontakte sind sehr wichtig. Noch immer vermissen wir sie in ihrer Gesamtheit schmerzlich. Nur einzelne Kontakte sind möglich, aber gerade diese haben unsere ganze Wertschätzung. Soziale Kontakte sollten gepflegt werden. Wir können dadurch die Fähigkeit entwickeln, uns in die Emotions- und Gedankenwelt eines anderen einzufühlen. Was fühlt und denkt der andere? In welcher Welt befindet er sich gerade? Das nennt man Empathie.

7. Vertrauen in sich selbst:

Wir sollten zunehmend Vertrauen in uns aufbauen. Wir können uns aufgrund von Erfahrungen, von Erlerntem oder aufgrund unserer „inneren Stimme“ wirklich vertrauen. Wenn wir dies verstanden haben und kultivieren, kommen wir zur Erkenntnis, dass wir unglaubliches bewirken und vertrauensvoll und positiv in unsere Zukunft blicken können.

Resümee:

Nach der Beleuchtung dessen, was Resilienz ist und wie sie im Kontext zu Yoga steht, ist festzustellen, dass die Wirkung von Yoga umfassend diese Faktoren, die zu mehr Resilienz in unserem Leben führen, positiv beeinflusst. Gesagt sei hier auch, dass dies nur eine Möglichkeit ist, Resilienz zu entwickeln und zu stärken. Die Wissenschaft geht davon aus, dass ein Teil dieser Widerstandsfähigkeit in unseren Genen verankert ist, ein anderer Teil jedoch im Lauf des Lebens entwickelt wird. Yoga will uns mit seinen vielschichtigen Angeboten dazu verhelfen.

Wir sollten verstehen, dass die scheinbar unguten Momente, die zu einem schlechten Tag führen, in unser Leben zu integrieren sind. Gerade die schlechten Tage bringen uns weiter. Es liegt Heilung darin. Weisheit aus dem Zen: „Jeder Tag ist ein guter Tag“
Jede Krise ist zunächst eine Herausforderung und in diesem Sinne auch eine Stress-Situation. Ob der Stress ein Weckruf zum Aufbruch ist oder zum angstbesetzten Dauerzustand wird, hängt von der psycho-mentalen Verfassung der jeweils Betroffenen ab. Die äußeren Bedingungen kann man oft nicht ändern. Vollende was du bist - Helga Simon-Wagenbach

Erste-Hilfe-Übung:

Um nicht sofort von unguten Gedanken ergriffen zu werden sagt Euch innerlich augenblicklich „halt“ oder „stopp“. Lasst keinen einzigen Gedanken zu, auch wenn er noch so hilfreich zu sein scheint. Geht sofort auf Eure innere Ebene und zu Eurem Atem. Veränderung ist ständig möglich. Das Leben ist ständige Veränderung.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit in dieser Zeit der starken Veränderungen.

Seid herzlichst gegrüßt

Susanne Müller

Quellen: Deutsches Yoga-Forum Heft 02/2020 und 02/2021

Resilienz, das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft - Christina Berndt

Vollende was Du bist - Helga Simon-Wagenbach